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Springmesser & Automatikmesser in Deutschland 2026: Was ist erlaubt?
Springmesser & Automatikmesser in Deutschland 2026: Was ist erlaubt?
Sind Automatikmesser in Deutschland verboten? Darf man Springmesser weiterhin kaufen und besitzen? Und was bedeutet das seit Oktober 2024 erforderliche berechtigte Interesse?
Die Rechtslage ist differenzierter, als häufig angenommen wird. Bestimmte Springmesser dürfen unter den gesetzlichen Voraussetzungen weiterhin erworben und besessen werden. Entscheidend sind die Bauart, der konkrete Verwendungszweck und die persönlichen Voraussetzungen des Umgangs.
Sind Springmesser in Deutschland legal?
Springmesser sind in Deutschland grundsätzlich vom gesetzlichen Umgangsverbot erfasst. Für bestimmte seitlich öffnende Modelle besteht jedoch eine Ausnahme.
Diese setzt neben den technischen Anforderungen ein berechtigtes Interesse voraus, das eine einhändige Nutzung erforderlich macht, oder einen Umgang im Zusammenhang mit der Berufsausübung.
Damit sind Springmesser nicht ausnahmslos verboten. Die gesetzliche Ausnahme ist jedoch auch keine allgemeine Kauf- und Besitzerlaubnis für jedermann.
Was ist ein Springmesser oder Automatikmesser?
Ein Springmesser ist nach Anlage 1 Abschnitt 1 Unterabschnitt 2 Nr. 2.1.1 WaffG ein Messer, dessen Klinge auf Knopf- oder Hebeldruck hervorschnellt und dabei oder beim Loslassen einer Sperrvorrichtung festgestellt werden kann.
Im Messerhandel werden solche Konstruktionen häufig als Automatikmesser, Automatic Knife oder Auto Knife bezeichnet.
Bei einem klassischen Automatikmesser wird die für die Öffnung benötigte Energie durch eine Feder bereitgestellt. Durch Betätigung des Auslösers wird die Klinge freigegeben und bewegt sich in die geöffnete Position.
Side-Opening
Die Klinge schwenkt seitlich aus dem Griff. Für bestimmte Modelle dieser Bauart sieht das Waffengesetz eine Ausnahme vom Umgangsverbot vor.
OTF-Automatikmesser
Die Klinge tritt nach vorne aus dem Griff aus. Diese Konstruktionen erfüllen nicht die gesetzliche Ausnahme für seitlich öffnende Springmesser.
Assisted Opener
Federunterstützte Klappmesser können technisch und rechtlich anders einzuordnen sein. Nicht jede Federunterstützung macht ein Messer zum Springmesser.
Was hat sich am 31. Oktober 2024 geändert?
Bis zur Waffenrechtsänderung waren bestimmte seitlich öffnende Springmesser aufgrund ihrer Bauart vom gesetzlichen Verbot ausgenommen.
Mit der Reform wurde die Ausnahme um eine zusätzliche Voraussetzung ergänzt: Neben den technischen Eigenschaften kommt es nun auch auf den Grund für den Umgang mit dem Messer an.
Damit kann die rechtliche Zulässigkeit eines technisch identischen Springmessers von den Umständen des jeweiligen Nutzers abhängen.
Vor der Reform
Für die gesetzliche Ausnahme bestimmter seitlich öffnender Springmesser waren vor allem die festgelegten technischen Eigenschaften entscheidend.
Seit 31.10.2024
Zusätzlich müssen die Voraussetzungen zum berechtigten Interesse oder zum Zusammenhang mit der Berufsausübung erfüllt sein.
Welche Springmesser sind vom Verbot ausgenommen?
Die maßgebliche Regelung findet sich in Anlage 2 Abschnitt 1 Nr. 1.4.1 WaffG.
Damit ein Springmesser unter die dortige Ausnahme fallen kann, müssen die folgenden technischen Merkmale vorliegen:
Die Klinge springt seitlich aus dem Griff heraus.
Der aus dem Griff herausragende Teil der Klinge ist höchstens 8,5 cm lang.
Die Klinge darf keinen zweiseitigen Schliff im Sinne der Vorschrift besitzen.
Die zusätzliche Voraussetzung
Die genannten Bauartmerkmale reichen seit der Reform nicht mehr allein aus.
Zusätzlich muss ein berechtigtes Interesse bestehen, das eine einhändige Nutzung erforderlich macht, oder der Umgang muss im Zusammenhang mit der Berufsausübung erfolgen.
Die Ausnahme ist daher sowohl technisch als auch hinsichtlich des jeweiligen Umgangs zu prüfen.
Was bedeutet berechtigtes Interesse bei Springmessern?
Das berechtigte Interesse ist einer der zentralen Punkte der seit Oktober 2024 geltenden Regelung.
Das Gesetz nennt als Alternative außerdem den Umgang im Zusammenhang mit der Berufsausübung. Für andere Fälle muss ein berechtigtes Interesse vorliegen, das gerade die einhändige Nutzung erforderlich macht.
Die Bewertung hängt vom konkreten Einzelfall ab. Ein bestimmtes Hobby, eine Berufsbezeichnung oder eine allgemeine Vorliebe für Automatikmesser begründet nicht automatisch eine Ausnahme.
Bei welchen Tätigkeiten kann die einhändige Nutzung relevant sein?
Beispielsweise Arbeitsabläufe, bei denen ein Messer im Zusammenhang mit der Berufsausübung eingesetzt wird.
Situationen, in denen eine Hand für andere Aufgaben benötigt wird und eine einhändige Messerbedienung erforderlich sein kann.
Umstände, durch die eine zweihändige Bedienung nicht oder nur eingeschränkt möglich ist.
Andere nachvollziehbare Verwendungszwecke können im Einzelfall relevant sein, wenn sie die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllen.
Wichtig: Diese Beispiele sind keine automatische Liste kaufberechtigter Personengruppen. Entscheidend bleiben die tatsächlichen Umstände und die gesetzlichen Anforderungen.
Darf man Automatikmesser weiterhin kaufen und besitzen?
Ja, der Erwerb und Besitz bestimmter Springmesser bleibt unter den gesetzlichen Voraussetzungen möglich.
Die seit 2024 geltende Regelung unterscheidet sich jedoch wesentlich von einer allgemeinen Erlaubnis für alle erwachsenen Käufer.
Erwerb
Der Erwerb kann zulässig sein, wenn das konkrete Messer unter die gesetzliche Ausnahme fällt und die Voraussetzungen beim Erwerber erfüllt sind.
Besitz
Auch der Besitz ist eine Form des waffenrechtlichen Umgangs. Deshalb müssen die Voraussetzungen der gesetzlichen Ausnahme weiterhin beachtet werden.
Führen
Für das öffentliche Führen gelten zusätzliche Beschränkungen. Eine Ausnahme vom Umgangsverbot bedeutet keine allgemeine Erlaubnis zum Mitführen.
Muss das berechtigte Interesse vor dem Kauf behördlich genehmigt werden?
Die gesetzliche Ausnahme für bestimmte Springmesser sieht keine allgemeine behördliche Einzelgenehmigung vor, die jeder Käufer vor dem Erwerb beantragen müsste.
Das bedeutet allerdings nicht, dass die Voraussetzungen erst bei einer Kontrolle relevant werden.
Die gesetzlichen Anforderungen müssen bereits beim jeweiligen Umgang mit dem Springmesser erfüllt sein. Dazu gehören grundsätzlich auch Erwerb und Besitz.
Eine spätere Kontrolle kann der Anlass sein, bei dem die Berechtigung überprüft wird. Sie ist aber nicht der Zeitpunkt, zu dem die rechtlichen Voraussetzungen erstmals entstehen.
Keine allgemeine behördliche Vorabgenehmigung bedeutet nicht, dass ein Springmesser ohne Berechtigungsgrund erworben werden darf. Die gesetzliche Ausnahme muss tatsächlich vorliegen.
Was müssen Händler beim Verkauf von Springmessern beachten?
Die neue Regelung hat auch für den Fachhandel praktische Fragen aufgeworfen. Insbesondere geht es darum, wie Händler feststellen können, ob beim Käufer die Voraussetzungen der gesetzlichen Ausnahme vorliegen.
Das Bundesinnenministerium hat hierzu Hinweise veröffentlicht, über die der Verband Deutscher Büchsenmacher und Waffenfachhändler (VDB) im März 2025 berichtet hat.
Danach wird Händlern empfohlen, beim Überlassen eines Springmessers auf die Rechtslage hinzuweisen und sich auf geeignete Weise vom Vorliegen eines die Ausnahme begründenden Umstands zu überzeugen.
Im Onlinehandel kann hierfür beispielsweise eine geeignete technische Bestätigung eingesetzt werden. Auch eine Dokumentation der beachteten Sorgfalt kann sinnvoll sein.
Was bedeutet das für den Onlinehandel?
- Die gesetzliche Ausnahme sollte verständlich erklärt werden.
- Der Käufer sollte auf seine rechtlichen Voraussetzungen hingewiesen werden.
- Eine geeignete Erklärung zum Berechtigungsgrund kann Bestandteil des Bestellprozesses sein.
- Die Einhaltung der erforderlichen Sorgfalt kann dokumentiert werden.
- Bei Zweifeln sollte die Berechtigung vor der Überlassung geklärt werden.
Die ministeriellen Hinweise beschreiben keinen einheitlichen amtlichen Berechtigungsschein für jeden Käufer. Sie sind jedoch auch keine pauschale Freistellung des Handels von seinen gesetzlichen Pflichten.
Die konkrete Ausgestaltung eines Händlerprüfverfahrens sollte daher unter Berücksichtigung von § 34 WaffG und der einschlägigen Vorschriften juristisch geprüft werden.
Die neue Grauzone: Wo besteht tatsächlich Rechtsunsicherheit?
Die Unsicherheit liegt nicht darin, ob das Gesetz ein berechtigtes Interesse verlangt. Diese Voraussetzung ist ausdrücklich geregelt.
Offen und in der Praxis auslegungsbedürftig sind vielmehr Fragen zur konkreten Anwendung:
- Welche Verwendungszwecke erfüllen im Einzelfall die gesetzlichen Anforderungen?
- Wie konkret muss die Erforderlichkeit einer einhändigen Nutzung begründet werden?
- Welche Angaben oder Unterlagen reichen zur Plausibilisierung aus?
- Welchen Prüfungsumfang müssen Händler beim Überlassen beachten?
- Wie können Käufer ihre Berechtigung im Bedarfsfall nachvollziehbar darlegen?
Der VDB hat nach Veröffentlichung der BMI-Hinweise ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, dass weiterhin Fragen offenbleiben.
Für Käufer bedeutet das: Nicht jedes Automatikmesser ist verboten, aber eine pauschale Kaufberechtigung lässt sich aus der bestehenden Rechtsunsicherheit nicht ableiten.
Dürfen Sammler Springmesser besitzen?
Springmesser sind für viele Messerenthusiasten technisch und historisch interessante Sammlerstücke. Die reine Sammelleidenschaft erfüllt jedoch nicht automatisch die Ausnahmevoraussetzungen der Anlage 2 Nr. 1.4.1 WaffG.
Für verbotene Waffen kann unter besonderen Voraussetzungen eine Ausnahmegenehmigung des Bundeskriminalamts nach § 40 Absatz 4 WaffG in Betracht kommen.
Eine solche Ausnahme ist an gesetzliche Voraussetzungen gebunden und wird nicht automatisch aufgrund eines Sammlerinteresses erteilt.
Wer ein Springmesser ausschließlich für eine Sammlung erwerben oder besitzen möchte, sollte deshalb die konkrete rechtliche Situation vorab klären.
Darf man ein legales Springmesser öffentlich führen?
Die Ausnahme vom grundsätzlichen Umgangsverbot und die Regeln über das öffentliche Führen sind voneinander zu unterscheiden.
Auch bei einem Springmesser, das unter die Ausnahme der Anlage 2 fällt, sind die einschlägigen Führbeschränkungen zu beachten.
Insbesondere können § 42a WaffG sowie zusätzliche Messerverbote bei öffentlichen Veranstaltungen, im öffentlichen Personenfernverkehr und in örtlichen Verbotszonen relevant sein.
Ein legaler Erwerb oder Besitz bedeutet nicht automatisch, dass ein Springmesser an jedem Ort und zu jedem Zweck geführt werden darf.
Sind Assisted Opener ebenfalls Springmesser?
Nein, nicht automatisch. Bei federunterstützten Klappmessern kommt es auf die tatsächliche Funktionsweise an.
Das Bundeskriminalamt hat im Feststellungsbescheid Z-17 vom 9. Juli 2004 eine bestimmte federunterstützte Konstruktion ausdrücklich nicht als Springmesser eingestuft.
Die Entscheidung erstreckt sich nach ihrem Wortlaut auch auf andere Messer mit derselben beschriebenen Funktionsweise.
Die genaue technische und rechtliche Abgrenzung behandeln wir ausführlich in unserem eigenständigen Messerworld-Lexikonartikel über Assisted Opener.
Häufige Fragen zu Springmessern und Automatikmessern
Sind Springmesser in Deutschland grundsätzlich verboten?
Springmesser sind grundsätzlich vom gesetzlichen Umgangsverbot erfasst. Für bestimmte seitlich öffnende Modelle besteht eine Ausnahme, sofern sämtliche gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind.
Darf ich ein Springmesser mit 8,5 cm Klinge kaufen?
Die Klingenlänge allein genügt nicht. Zusätzlich müssen die seitliche Öffnung, die Anforderungen an den Schliff und die persönlichen beziehungsweise verwendungsbezogenen Voraussetzungen erfüllt sein.
Brauche ich für ein Springmesser eine behördliche Genehmigung?
Für die gesetzliche Ausnahme nach Anlage 2 Nr. 1.4.1 ist keine allgemeine behördliche Vorabgenehmigung für jeden Erwerber vorgesehen. Die Ausnahmevoraussetzungen müssen dennoch vorliegen. In anderen Fällen kann eine besondere BKA-Ausnahmegenehmigung erforderlich sein.
Muss ich mein berechtigtes Interesse erst bei einer Kontrolle nachweisen?
Die Voraussetzungen müssen bereits beim jeweiligen Umgang vorliegen. Eine Kontrolle kann Anlass zur Überprüfung sein. Daraus folgt aber keine allgemeine Erlaubnis, bis dahin ohne Berechtigungsgrund ein Springmesser zu besitzen.
Dürfen Händler Springmesser online verkaufen?
Der Onlineverkauf ist nicht ausnahmslos ausgeschlossen. Entscheidend sind die gesetzlichen Voraussetzungen und die Pflichten beim Überlassen. Das BMI empfiehlt eine geeignete Prüfung und gegebenenfalls Dokumentation des Berechtigungsgrundes.
Ist eine Käufererklärung ausreichend?
Eine geeignete Erklärung kann Bestandteil eines Händlerprüfverfahrens sein. Sie garantiert jedoch nicht automatisch die rechtliche Zulässigkeit. Entscheidend sind die tatsächlichen Voraussetzungen und die erforderliche Sorgfalt.
Sind OTF-Springmesser erlaubt?
OTF-Springmesser erfüllen nicht die Ausnahme für seitlich aus dem Griff herausspringende Klingen. Ein legaler Umgang kann allenfalls auf einer anderen einschlägigen gesetzlichen Grundlage oder einer besonderen Ausnahmegenehmigung beruhen.
Reicht es aus, Springmesser zu sammeln?
Ein allgemeines Sammlerinteresse begründet nicht automatisch die gesetzliche Ausnahme. Unter besonderen Voraussetzungen kann eine Ausnahmegenehmigung nach § 40 Absatz 4 WaffG in Betracht kommen.
Sind Assisted Opener und Springmesser dasselbe?
Nein. Eine Federunterstützung allein führt nicht automatisch zur Einstufung als Springmesser. Maßgeblich ist die konkrete technische Konstruktion.
Weiterführende Messerworld-Ratgeber
Das deutsche Messerrecht umfasst unterschiedliche Vorschriften für Kauf, Besitz, Transport und Führen. Unsere weiterführenden Lexikonartikel helfen bei der Einordnung.
Amtliche Quellen und rechtliche Grundlagen
- Waffengesetz – Anlage 1: Definition des Springmessers
- Waffengesetz – Anlage 2 Nr. 1.4.1: Springmesser und gesetzliche Ausnahme
- § 34 WaffG – Überlassen von Waffen
- § 40 WaffG – Verbotene Waffen und Ausnahmegenehmigungen
- § 42a WaffG – Verbot des Führens bestimmter Messer
- VDB – BMI-FAQ zum neuen Waffengesetz, 06.03.2025
Rechtsstand: Oktober 2026. Die Informationen dienen der allgemeinen rechtlichen Orientierung. Die Zulässigkeit eines konkreten Springmessers und eines bestimmten Umgangs hängt von den gesetzlichen Voraussetzungen und den Umständen des Einzelfalls ab. Dieser Beitrag ersetzt keine individuelle Rechtsberatung.
Springmesser sind nicht ausnahmslos verboten – die Voraussetzungen entscheiden
Automatikmesser gehören zu den technisch interessantesten Taschenmessern. Ihre schnelle, einhändige Bedienbarkeit kann bei bestimmten Anwendungen einen praktischen Nutzen bieten.
Die Waffenrechtsänderung von 2024 hat die rechtliche Situation jedoch verändert. Für bestimmte seitlich öffnende Springmesser reicht die Bauart allein nicht mehr aus. Entscheidend ist zusätzlich ein gesetzlich anerkannter Grund für den Umgang.
Die neue Regelung lässt Fragen zur praktischen Nachweisführung offen. Sie schließt den legalen Erwerb bestimmter Automatikmesser aber nicht grundsätzlich aus.
Messerworld-Tipp: Wer ein Springmesser kaufen möchte, sollte die technischen Eigenschaften des Modells und die persönlichen Voraussetzungen für den Umgang vorab prüfen. Eine verständliche Beratung und eine nachvollziehbare Einordnung helfen dabei, eine informierte Kaufentscheidung zu treffen.
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